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Schandfleck oder Denkmal?

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Positionspapier Kulturkreis Fachwerk im Celler Land zum Artikel der Celleschen Zeitung vom 05.02.2014 „Garßener Schandfleck verschwindet“

Nicht Schandfleck – ein Denkmal wurde abgerissen

Es ist überaus bedauerlich, dass es uns als Gemeinwesen wieder einmal nicht gelungen ist, ein eingetragenes Denkmal mit seinem Wert richtig einzuschätzen und zu erhalten. Mit dem Gemeindehirtenhaus in Garßen ist wieder einmal auch ein Stück Ortsgeschichte verschwunden. Ganz offensichtlich ist das Bewusstsein in der Bevölkerung für Kulturdenkmale und für deren Wert und Erhalt zu wenig ausgeprägt. Das war ja auch ein Grund, weshalb von Heimat- und Denkmalfreunden im Jahr 1984, also vor genau 30 Jahren, der Kulturkreis Fachwerk (KKF) und im letzten Jahr das Ortskuratorium Celle der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gegründet wurde. Ziel war, das Bewusstsein für Denkmale zu schärfen und damit unwiederbringliche Zeugen unserer Geschichte zu erhalten und ins rechte Licht der Öffentlichkeit zu rücken.
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Das Hirten- und Schäferhaus wurde nach dem großen Brand in Garßen, also nach 1747 gebaut. Ein Doppelhaus mit jeweils einer Wohnung für den Schäfer und den Hirten, die für die Bauern des Ortes das Vieh auf die Weideflächen trieben und dort hüteten. Trotz vieler Bemühungen ist nicht gelungen, die Öffentlichkeit zu mobilisieren und eine neue Nutzung bzw. einen Käufer zu finden.

Erste Gespräche zur Rettung des Hauses haben mit dem Hofbesitzer und dem Denkmalschutz schon im September 2005 stattgefunden. Bereits im Oktober 2005 veranstaltete dann der KKF ein Fachwerkgespräch vor Ort, das die Cellesche Zeitung ausführlich und mit Bild und mit der Überschrift „ Kulturkreis Fachwerk will Substanz bewahren – Altes Hirtenhaus in Garßen vor Abriss“ ankündigte. Nach der Besichtigung berichtete die CZ unter der Überschrift „Altes Hirtenhaus in Garßen sucht nach seinem Retter“ über die Aktion. Im Dezember brachte dann der KKF im Einvernehmen mit Herrn Uhde, dem Hofbesitzer, ein großes Schild am Haus an mit der Aufschrift „Wer rettet dieses Haus?“ und wichtigen Hinweisen, z.B. der kostenlosen Abgabe des Hauses. Im September 2012 erschien dann in der CZ noch einmal ein Artikel, jetzt mit der Überschrift „Schäferhaus: Kommt der Abriss?“ und mit dem Untertitel „Besitzer setzt Hoffnungen in neuen Denkmalpfleger / Ziel: Gebäude aus Verzeichnis nehmen“.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass der Besitzer die Hoffnung auf eine Rettung seines denkmalgeschützten Hauses aufgegeben hatte. Er hatte natürlich andere Interessen als der in der Pflicht stehende Denkmalschützer, der das Gesetz umzusetzen und das Haus zu „schützen“ hatte. Es bleibt festzuhalten, dass alle Beteiligten verloren haben: der Besitzer, der Denkmalschutz, der Kulturkreis Fachwerk Celle, vor allem aber wir Bürger, denn es ist kein Schandfleck, sondern ein über 250 Jahre alter Zeitzeuge verschwunden.

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Was lässt sich aus diesem bedauerlichen Vorfall lernen? Es müssen in Zukunft wirkungsvollere, besser funktionierende Bündnisse aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft geschmiedet werden. Dazu gehört ebenso eine konstruktiv begleitende Lokalpresse, wie die Unterstützung durch den KKF mit seinem Netzwerk, der mit Rat und Tat helfen kann. Seine Mitglieder können Beispiele anbieten, wie man heute richtig saniert, restauriert und modern in alten Denkmalen leben kann. Nur im verantwortungsvollen Zusammenwirken aller obigen Beteiligten kann es gelingen, gefährdete Denkmale im Landkreis, aber auch in der Stadt Celle zu erhalten. Das hat nichts mit rückwärts gewandter Fachwerkromantik zu tun, sondern mit Verantwortung vor den früheren und kommenden Generationen: „Zukunft braucht Vergangenheit und Vergangenheit braucht Zukunft“. Es hat schon zu viele unverzeihliche Abrisse in und um Celle gegeben!

Dietrich Klages
Vorsitzender des Kulturkreis Fachwerk im Celler Land e.V.

1 Kommentar

  1. Hallo Fachwerkfreunde,
    ich bin ein 67 jähriger Magdeburger Feuerwehrmann a.D. der Berufsfeuerwehr MD und im Jahre 2001/2002 haben meine Frau Hanne und ich ein Fachwerhaus hier in MD-Randau ( Dorf mit 600 EW und seit 20 Jahren eingemeindet) durch eine Stendaler Zimmerei errichten lassen.Die Errichtung erfolgte als Ständerbau mit Ausfachung unter Verwendung von Hartbrandmauerziegeln und war für uns sehr interessant. Eine Doku darüber habe ich per Fotokamera erstellt.
    Euer Artikel per Bild und Text trifft voll ins Schwarze – diese Häuser-Bauart ist ein Jahrhundert-Zeuge und in jedem Falle erhaltenswert !
    Dem Fachwerk e.V. und Euch wünschen wir Erfolg in der ehrenamtlichen Arbeit zur Erhaltung/ Rettung deutscher Fachwerkhäuser.

    Rolf Bednarek

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