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Bericht: Kennen Sie Celle? Ursprünge von Altencelle

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In zwei Stunden eine Zeitreise zu den Altenceller Ursprüngen mit der Archäologin Dr. Cornelia Lohwasser – dazu versammelte sich am Nachmittag des 17. April 2015 eine über 30-köpfige erwartungsvolle Reisegruppe vor der Gertrudenkirche in Altencelle. Und sie wurde – kein Wunder bei dieser Reiseleiterin – nicht enttäuscht. Die Kirche war die erste Station, Pastor Ricker hatte sie für die Gruppe extra geöffnet. Nach den jüngsten Grabungsergebnissen hatte die Gertrudenkirche wahrscheinlich ursprünglich ein langes Kirchenschiff mit einem Querschiff, dessen nördlicher Teil nicht mehr steht, aber keine Seitenschiffe. Und unklar ist weiterhin, ob es einen hölzernen Vorgängerbau gegeben hat. Ein Juwel ist der spätgotische geschnitzte Flügelaltar. Ein genaues Datum zur Geschichte Altencelles verspricht sich Frau Lohwasser von der Untersuchung eines mächtigen Holzpfahles von der Brunonenburg, die jetzt eingeleitet wurde.

Mit der Gertrudenkirche als Angelpunkt für die weiteren Besichtigungen wurde zunächst der Steinweg, südlich der Kirche bis zum Apfelweg verlaufend, besucht. Hier wurden bei den Ausgrabungen seitliche Häuserparzellen, Keller, Keramikscherben und Kopfsteinpflaster („Steinweg“) gefunden.


Dann ging es zu den aktuellen Ausgrabungen am Nienmarkt, nördlich der Kirche. Und es wurde richtig spannend. Denn die Zeitreiseleiterin zeigte hier nicht nur die Spuren eines kleinen Hauses von ca. 5 mal 4 Metern, sondern auch Keramikfunde, Metallfragmente und eine wunderschöne bronzene Gewandnadel. Sind die Metall- und Schlackenreste Hinweise auf eine ehemalige Schmiede? Denkbar. Und wie kommen nun Scherben aus dem 15. bis 19. Jahrhundert in und um das kleine Haus aus dem Hochmittelalter? Die Antwort ist ganz einfach: über die Jahrhunderte aus den Latrinen und Misthaufen der umliegenden Höfe, wo sie ursprünglich entsorgt wurden, um dann als Dungbeigabe auf dem Acker über der Grabungsstelle zu landen und untergepflügt zu werden. Darauf muss man erst mal kommen!

Die nächste Station war der alte Hafen östlich der Kirche. Beim Aufstellen und Erdaushub für die zwei Pfosten des Außenaltars fiel die ungewöhnliche Erdbeschaffenheit (Humus anstelle von Sand) auf, die den Anstoß zu weiteren Grabungen gab. Es wird angenommen, dass östlich an den Friedhof, durch Abgrabung, eine Terrasse geschaffen wurde: die Kaifläche mit Kaimauer zum vermuteten Hafen, der hier an einem alten Aller-Seitenarm lag. Ob auch noch eine hölzerne Pier oder ein Steg bzw. ein Hinweis darauf auftaucht?

Die letzte Station auf der Zeitreise war der Blick auf die ehemalige Allerfurt. Anhand von Karten mit dem ursprünglichen Allerverlauf und der alten hölzernen Allerbrücke, die 1965 verschwand, wurde die Allerfurt lokalisiert. Heute steht an dieser Stelle das Allerfurt-Merkmal, das Dank der Initiative des Altenceller Heimatforsches Dieter Reinebeck aufgestellt wurde, der kurz danach im Oktober 2014 verstarb. Und so war dieser Nachmittag in dankbarer Erinnerung auch seinem Wirken und Andenken gewidmet.

 

Copyright Foto: Bernd Görlitz und Dietrich Klages
Copyright Text: Ingo Vormann
Copyright Karte: Archiv

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