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Bericht: 5. Bürgerwerk Tagung in Treysa

Bürgerwerk in Treysa

„Ich bin bekennender Fachwerkliebhaber“, mit dieser Botschaft startete das fünfte Treffen des BürgerWerks der Fachwerkstädte in Treysa. Nachdem das vierte Treffen Mitte Oktober 2016 in Celle stattgefunden hatte, konnten die Altstadtfreunde Treysa am 1. April über 40 Mitglieder befreundeter Initiativen und Gruppen begrüßen, um sich mit ihnen über aktuelle Themen zur Beseitigung von Leerständen und Innenentwicklung der Städte und Dörfer auszutauschen. Bei ihrer Gründung vor drei Jahren fielen die Treysaer Altstadtfreunde erst einmal durch Reinigungsaktionen in ihrer Altstadt auf. Dann hängten sie Infotafeln über die Stadtgeschichte auf und organisierten eine Kulturnacht in den tiefen Gewölbekellern, die Treysa so interessant machen. Schaufenster leerstehender Ladengeschäfte wurden gestaltet und ein Bouleplatz angelegt.

Auch Inge Schneider-Scholz, die schon bei der Gründung des Bürgerwerks 2015 in Wanfried die Altstadtfreunde vertreten und als Fachwerkgästeführerin über die Baukultur viel zu erzählen hatte, bringt ihr Know-how mit ein. Jetzt soll ein Fachwerkhaus als eine Art Musterhaus fach- und sachgerecht und öffentlichkeitswirksam von 24 Mitgliedern saniert werden. So kann ein Leerstand beseitigt und neuer Wohnraum geschaffen werden.

Bürgerwerk in Treysa

„Wie funktioniert Eure Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung?“, lautete die zentrale Frage, die Georg Schlamann, Vorsitzender der Altstadtfreunde, an die Gäste stellte. Den Antworten dazu lauschten auch Vertreter aller im örtlichen Stadtparlament vertretenen Parteien sowie der parteilose Bürgermeister Stefan Pinhard. Seit Oktober 2016 im Amt signalisierte er, mit den Ehrenamtlichen die Innenentwicklung gemeinsam vorantreiben und deren Aktionen unterstützen zu wollen. „Ich kann Sie zu diesem Vorhaben nur ermutigen und zu Ihren Altstadtfreunden beglückwünschen. Sie sollten sie mit allen Mitteln unterstützen, denn die Ehrenamtlichen sind Juwelen in Form engagierter Bürger. Deren Arbeit kann keine Verwaltung leisten“, sagte der anwesende Wanfrieder Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der den bundesweit beachteten Erfolg bei der Vermittlung von Leerständen in seiner Stadt der guten Zusammenarbeit zwischen der Bürgergruppe und Stadtverwaltung zuschreibt. Gebhard ist selbst Mitglied der Gruppe und hat den kurzen Draht zu Ämtern und Verwaltung. Als erste Ansprechperson für Immobilien-Interessenten gibt er auf dem kleinen Dienstweg Auskunft über Gebühren und hält den Kontakt zu Denkmalbehörden und Ministerien. „Die konsequente Unterstützung aus dem Rathaus ist wichtig für die Stimmung innerhalb der Gruppe, die Wertschätzung verdient und unkomplizierte Lösungen braucht“, sagte er. Die kostenfreie Beratungsleistung einer Bürgergruppe habe enorme Vorteile für die Kommune und das Handwerk. Das habe sich auch finanziell ausgezahlt. Das Bürgerwerk sei zudem ein großer Pool an Know-how in unterschiedlichsten Fragen zur Baukultur.

Bürgerwerk in Treysa

Das Netzwerktreffen war wieder einmal interessant und hochkarätig besetzt mit einem Neuzugang aus Dessau. Vom Verein Schwabehaus e. V. und deren Vorsitzenden Prof. Holger Schmidt bekamen den Altstadtfreunde Tipps für die Finanzierung einer Leerstandsimmobilie. „Wir haben mit einem Kredit von der GLS-Bank, der zusätzlich zur Grundbuchsicherung von 78 Kleinbürgschaften abgesichert wurde, den Eigenanteil für eine Förderung aufgebracht“, so Prof. Schmidt. Das Schwabehaus und die alte Bäckerei, zwei der letzten Fachwerkhäuser in Dessau, konnten so gerettet und einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Bürgerwerk in Treysa

Treysa steht noch oder schon am Anfang einer Innenentwicklung, die von den Altstadtfreunden mitgestaltet wird. Ein Abstimmungsgespräch zwischen Bürgermeister Pinhard, den Fraktionen und den Altstadtfreunden wurde angekündigt. Das nächste Treffen der BürgerWerker werden die Schlosspatrioten Homberg an der Ohm im Frühjahr 2018 ausrichten. Das diesjährige Herbsttreffen wird am 4. Oktober 2017 in Form von Vorträgen der Bürgerinitiativen während des DenkmalKunst-Festivals 2017 im Fachwerk-Fünfeck (das sind Duderstadt, Einbeck, Hann.Münden, Northeim, Osterode/Harz) stattfinden.

Teilnehmende Gruppen: Altstadtfreunde Treysa e. V., Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt eG, Schlosspatrioten Homberg an der Ohm, Kulturkreis Fachwerk im Celler Land e. V., Bau- und Wohnkultur Witzenhausen e. V., Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser, Schwabehaus e. V. Dessau

 

Text: Diana Wetzestein, ergänzt von Ingo Vormann
Fotos: Diana Wetzestein
Weitere Informationen: www.buergerwerk.net

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