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Bericht: Kennen Sie Celle? Das Dachwerk der Stadtkirche

Bericht: Kennen Sie Celle? Das Dachwerk der Stadtkirche

Besuch auf dem Dachwerk der Stadtkirche

Am 3. Mai 2016 war die Besuchsreihe „Kennen Sie Celle?“, veranstaltet vom Museumsverein Celle und dem Kulturkreis Fachwerk im Celler Land, zu Gast in der Stadtkirche. Die Teilnehmerliste war mal wieder übervoll und so fanden sich 31 Besucher ein, um unter der Führung von Küster Ralf Pfeiffer das Dachwerk der Stadtkirche zu ersteigen und seinen kundigen Erklärungen zu lauschen. So viel vorweg: es wurde herzhaft gelacht und die Stunde hoch über der Stadt verging wie im Fluge. Ralf Pfeiffer hatte ursprünglich Dachdecker gelernt und nun ist er seit 21 Jahren Küster hier an der Stadtkirche. Sein handwerkliches Wissen hörte man immer wieder heraus. Das riesige hölzerne gotische Dachwerk stammt aus der Zeit der Erbauung der Kirche (Weihe 1308), d.h. dass die verwendeten Hölzer natürlich noch weit älter sind.

 

Gleich beim Betreten des Dachstuhls fällt der Blick auf ein riesiges Lasten(tret)rad, mit dem alle für den Dachstuhl benötigten Hölzer nach oben befördert wurden. Es waren wahre Meister ihres Faches, die dieses technische Kunstwerk erbauten. Davon zeugt nicht zuletzt der noch gute erkennbare ausgediente Glockenstuhl auf der hinteren, östliche Seite des Dachstuhls, der früher einmal drei Glocken getragen und deren enorme Schwingungen auszuhalten hatte. Damals gab es noch keine Bauzeichnungen, das Wissen um diese Kunst wurde von Generation zu Generation bzw. von Meister zu Meister weitergegeben.

So ein Küster muss tropenfest sein, denn im Sommer kann es schon mal bis zu 50 Grad heiß werden hier oben. Zwei bis drei Mal im Jahr muss der Dachstuhl gesäubert werden – dazu einen Besen zu nehmen, wäre das Falscheste, nein, hier wird mit Staubsauger gearbeitet. Wichtig bei allen Arbeiten auf dem Dachstuhl ist auch das Abmelden, denn zu leicht kann es mal zu einem Unfall kommen –  Sturz oder Kollision mit einem Balken. Es muss also immer jemand Bescheid wissen, dass auf dem Dachstuhl gearbeitet wird. Die Zinkwanne dort oben ist auch nicht zum Bad nach der Arbeit da, sondern dient als erst Notmaßnahme bei einem undichten Dach, genau wie die großen Planen, die oben notfallmäßig bereit liegen. Wer an der Führung teilgenommen hat, weiß nun auch, wo der Adventskranz und der Weihnachtsstern im Dachwerk befestigt werden und wo die Führungslöcher für die Seile sind, an denen sie hängen. Viermal muss unser Küster vor dem 1. Advent rauf und runter, bis Kranz und Stern richtig hängen. Daran werde ich im nächsten Advent bestimmt denken… Der Küsterberuf ist eben ein ganz besonderer, oder wie Ralf Pfeiffer es ausdrückt: er empfindet Verantwortung vor Gott und dem Gotteshaus. Und es macht ihm Freude, mitten in der Geschichte zu arbeiten. Das konnten alle Besucher deutlich spüren und haben es mit reichlich Applaus belohnt. Kennen Sie Celle? Ja, nach diesem Besuch ein sehr altes, mächtiges und wichtiges Stück mehr davon.

 

Text: Ingo Vormann
Foto: Dietrich Klages

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