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Leserbrief Holznagel „Kreativität oder Abrissbirne“

Fachwerk Beispiel 1

Leserbrief von Ingo Vormann
zum Artikel „Kreativität oder Abriss-Birne“, Holznagel 5–2016  23. November 2016

Als ich als Celler Denkmal- und Fachwerkfreund den Artikel „Kreativität oder Abriss-Birne“ im Holznagel 5-2016 las und mir die Bilder dazu anschaute, zweifelte ich kurz, ob ich tatsächlich den Holznagel in der Hand hätte. Ich hatte.

Es ist für mich unbegreiflich, dass ein solch rücksichtslos modernistischer Solitär in so einer Straße und in so einer Stadt errichtet wird. Dieses Gebäude tut alles, um sich von seiner altgewachsenen Umgebung abzuheben und sich selber vorlaut in den Vordergrund einer Szenerie zu schieben, in der es nichts zu suchen hat. In eben so einem Fall wünscht sich der Schriftsteller Martin Mosebach in seinem überaus lesenswerten FAZ Artikel v. 28.06.2010 „Und wir nennen diesen Schrott auch noch schön“:  „…vor allem die Demut, sich dem Vorhandenen bescheiden einzufügen und die vorgegebene Atmosphäre möglichst wenig zu stören.“ Demut ist das Stichwort, die wäre in diesem städtebaulichen und historischen Umfeld angebracht gewesen.

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Ich hätte es auch nicht für möglich gehalten, dass mir ausgerechnet im Holznagel der IgB eine solche architektonische und städtebauliche Verirrung ausdrücklich als positives Beispiel untergeJUBELt wird. Später heißt es dann „kontrastiert ohne zu provozieren“ oder „In seiner Formensprache gibt er sich klar als etwas Neues zu erkennen, in Höhe, Material- und Farbwahl orientiert er sich jedoch an den Altstadthäusern“. So wird mal ganz eben der unsägliche Stilbruch mit dem Flachdach in der Giebelstraße euphemistisch hinter der Formensprache versteckt. Durchaus entlarvend auch die Feststellung  „Wie selbstverständlich sich Alt und Neu zu einem schlüssigen Ganzen fügen, zeigt sich beim Betreten des Hausens bereits im Eingangsbereich“  – richtig, aber eben nur dort, im Inneren.

Nein, die vielen Anerkennungen aus der Architektenzunft beeindrucken mich überhaupt nicht, wenn  ich das Ergebnis dieser „Stadtreparatur“ sehe, die sich mir eher als Stadtbildzerstörung darstellt. Das alles widerspricht fundamental meinem unstudierten, natürlichen Gefühl für Schönheit, Harmonie, Charakter, Bautradition, Proportionen, Vertrautes und Ensemblewert.

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Wie ein wirklich „schlüssiges Ganzes“ aussehen kann, machen die beiden Beispiele aus HannMünden und Wismar (Preisträger) deutlich, die ich als Foto beifüge.

 

Text: Ingo Vormann (Mitglied Kulturkreis Fachwerk im Celler Land und Ortskuratorium Celle Deutsche Stiftung Denkmalschutz)

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